Unser Verein


Bewahrung

Regionale Geschichte erforschen

Spuren suchen

Wissen weitergeben

Begegnung

Von Zeitzeugen lernen

Sichtweisen verändern

Haltungen fördern

Projektarbeit

Schüler- und Bürgerprojekte

Vorträge und Stadtrundgänge

Publikationen und Ausstellungen



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Ein Verein für Freiberger Geschichte

Liebe Freunde, Interessenten, Wegbegleiter, Unterstützer oder auch nur zeitweilige Beobachter der Arbeit der „Geschichtswerkstatt Freiberg“,

unsere bisherige Arbeit in der „Geschichtswerkstatt Freiberg“ hat uns in der Überzeugung gestärkt, dass unser Weg, unsere eigene regionale Geschichte für viele, besonders aber für junge Leute heute erfahrbar zu machen, mehr Aufmerksamkeit, mehr ehrenamtliches Engagement, eine breitere Unterstützung und eine noch größere Wahrnehmbarkeit in der Öffentlichkeit verdient. Es geht um unsere Gegenwart in Demokratie, Freiheit, Vielfalt und Menschlichkeit. Und es geht um unsere Zukunft, in der die Würde jedes Menschen auch weiterhinunantastbar bleibt, unabhängig von Nationalität, Herkunft, Geschlecht, Religion und Orientierung. Wir wollen besonders junge Menschen nicht allein lassen, wenn Neurechte in der Öffentlichkeit wieder ungeniert von „Umvolkung“, „Lügenmedien“ und „Systempolitikern“ schwafeln, so als reichten deren Fangarme nicht in die finsterste Zeit unserer jüngeren Geschichte zurück. Wir wollen nicht unwidersprochen lassen, wenn behauptet wird, man möge den Begriff „Völkisches“ wieder „positiv besetzen“, so, als habe er nichts mit Nationalsozialismus und Holocaust zu tun.


Die Sicht auf unsere regionale Geschichte, der Blick auf die jüngere Vergangenheit in unserer Stadt und auf die in ihr handelnden Personen kann besser als manche abstrakte Lehrstunde helfen, bereits begangene Irrwege, die Deutschland und Europa in die Katastrophe führten, nicht noch einmal zu beschreiten. Die „Geschichtswerkstatt Freiberg“ hat – in wechselnder Trägerschaft – über inzwischen 25 Jahre, seit 1991, eine Vielzahl von Projekten, Ausstellungen, Vorträgen, Veröffentlichungen und Zeitzeugenbegegnungen verwirklicht. Ihr Verdienst war es vor allem, die über Jahrzehnte aufgerichtete Mauer des Schweigens zur Geschichte des Lebens und der Verfolgung von Juden in unserer Region niederzureißen. Immer ging es uns besonders darum, Jugendliche aus allen sozialen Schichten in die regionale

Aufarbeitung der jüngeren Geschichte einzubeziehen. Mit diesem reichen Erfahrungsschatz im Rücken sind wir mit der Gründung des Vereins

„Freiberger Zeitzeugnis e.V.“ einen wichtigen und neuen Schritt in die Gemeinnützigkeit, mit einer größeren Öffentlichkeit und einem breiteren Themen- und Projektfeld, gegangen.

Unsere Ziele

Wir wollen – von wechselnden Trägerinteressen unabhängig – die langfristige Existenz einer auf die jüngere regionale Geschichte und der in ihr agierenden Personen, auf die Bewahrung von Zeitzeugnissen und die Begegnung mit Zeitzeugen gerichtete Forschung, Dokumentation und Publikation in einer Vereinsarbeit sichern, an der sich ein möglichst breiter Kreis Interessierter aktiv beteiligen kann. 

Mit dem Verein „Freiberger Zeitzeugnis e.V.“ bieten wir allen jenen eine Plattform, die helfen wollen, die nach wie vor großen „weißen Flecke“ der Regionalgeschichtsschreibung besonders über die Zeit des Nationalsozialismus, aber auch zum Umgang damit in der Nachkriegsgeschichte der DDR abzutragen. 

Der Verein gibt denen eine Basis, die gegen Verklärung und Legendenbildung in der örtlichen Geschichtsaufarbeitung sind, weil sie für eine offene, demokratische Zivilgesellschaft eintreten, in der „völkische Überheblichkeit“, Verleumdung von Minderheiten, Hass gegen Fremde und Geringschätzung der Würde jedes Menschen keinen Platz haben. 

Wir werden die Projektarbeit mit Jugendlichen, vor allem an Schulen der Stadt und des Landkreises, fortsetzen. Wir hoffen zugleich, für unsere Vereinsarbeit noch mehr junge Mitstreiter zu gewinnen. Wir verstehen das als unverzichtbaren Bestandteil demokratischer, das Grundgesetz verteidigender Basisarbeit – gerade angesichts der sich mehrenden Angriffe von Neurechts. 

Unbedingt wollen wir die Begegnung mit Zeitzeugen fortsetzen, wohl wissend, dass die Gruppe noch lebender Zeitzeugen der Schreckensjahre des NS immer kleiner wird. Öffentlichkeitsarbeit in unterschiedlichsten Formen soll auch weiter unsere Arbeit prägen – mit Ausstellungen, Filmen, Vorträgen. Schließlich soll durch den gemeinnützigen e.V. auch die Arbeit an weiteren und neuen Veröffentlichungen zum Thema „Freiberg unterm Hakenkreuz“, aber auch zu anderen regionalgeschichtlichen, bisher wenig besetzten Feldern möglich werden. 

 

Unsere Wege

Wir organisieren Gespräche und Diskussionen mit Zeitzeugen der NS-Zeit für Freiberger Schulen, Einrichtungen der offenen Jugendarbeit und die Freiberger Öffentlichkeit, um im Dialog aus den Erfahrungen und den Gräueln der Vergangenheit zu lernen Wachsamkeit aktuellen gesellschaftlichen Zuständen unserer Gegenwart gegenüber zu wecken, Bereitschaft zu aktivem Handeln zu fördern und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Wir stellen Kontakt mit Nachkommen der Shoa-Opfer her und ermöglichen Schülerinnen und Schülern, mit ihnen direkt oder per Internet, Facebook, Email, Skype oder auf andere Weise unmittelbar zu kommunizieren. Wir bieten Projekte, Projekt- und Studientage an zur Thematik „Freiberg und die mittel-sächsische Region in der Zeit des Nationalsozialismus“, zu Rassismus, Antisemitismus und völkischem Wahn im 19. und 20. Jahrhundert in unserer Region, aber auch zu Leben, Kultur und Leistung von Juden in der Geschichte Freibergs und Sachsens. Mit den LehrerInnen/PädagogInnen und SchülerInnen entwickeln wir altersspezifische Programme zum selbstbestimmten Lernen.

„Spurensuche“ und themenorientierte Rundgänge ermöglichen Jugendlichen, historische Orte der jüngeren regionalen Zeitgeschichte, zu den Orten von rassischer, politischer usw. Verfolgung („Stolpersteine“), aber auch zu jüdischem Leben in Freiberg zu erkunden. Die Rundgänge können selbstständig in Gruppen oder mit einer Führung erfolgen. Wir bieten Beratung bei der Themenwahl und Recherche an, zum Beispiel für Unterrichtstunden, Referate und Besondere Lernleistungen im Abitur.

Wir organisieren und gestalten Ausstellungen zu verschiedensten Themen und Aspekten der jüngeren Zeitgeschichte in Freiberg. Wir recherchieren und publizieren. Wir streben eine eigene, regelmäßige Publikationsreihe an.

Unser Geschichtskoffer enthält umfangreiche Materialien, Publikationen, Fotos, Filme usw. zu den Themen, die für selbständige Themenerarbeitung und/oder Themenvertiefung kostenlos genutzt werden können.

Unser Verein

Wir würden uns sehr freuen, wenn es uns gelänge, mit Ihnen/Euch weitere Mitglieder für unseren Verein gewinnen zu können. Wir wollen Ihnen/Euch unbedingt die Sorge nehmen, es kämen auf Sie/Euch nun unübersehbare Belastungen zu, über Ihre/Eure private und berufliche Einbindung hinaus.

Zunächst sehr hilfreich aber wäre, wenn wir mit Mitglieder und Unterstützer gewännen, die wir immer mal um unverzichtbaren Rat und um tätige Mithilfe anfragen können.

Auch eine finanzielle Belastung für Mitglieder stellen wir uns nur in geringem Rahmen vor. Auf Beschluss unserer Gründungs- versammlung vom 8. Januar 2017 wird der Jahresbetrag 24 Euro betragen. In Härtefällen sind Stundung oder Erlass möglich.

Vorerst würden wir uns sehr freuen, wenn Ihr/Sie uns einfach Ihre/Eure Bereitschaft zum Mittun signalisieren würdet.

Fragen, Anregungen und Beiträge sind jederzeit herzlich willkommen.

 

Herzlichst, 

Dr. Michael Düsing

Ehrenvorsitzender des Freiberger Zeitzeugnis e.V.

Veranstaltungen

Zeit-Zeugen-Begegnung mit Meike Freud-Faber

 

24. Mai 2018  l  19:00 Uhr

Rösterei Momo, Korngasse 3, Freiberg

Eintritt frei

 

Meike Feud-Raber, die Urenkelin des Freiberger Juden Max Freud, erzählt die Geschichte ihres Urgroßvaters und ihrer Familie. 

Max Freud, evangelisch-lutherisch, in Freiberg verheiratet, Weinhändler, fünf Kinder, starb am 5. September 1942 im KZ Dachau. Als Grund seiner "Schutzhaft", die mit dem Tod endete, hatte die Gestapo vermerkt: "hat eine arische Frau geküsst". Denn für die Nationalsozialisten galt Max Freud als "Rassejude", seine Ehe als "Rassenschande". Jahrzehnte nach seinem Tod hat sich seine Urenkelin Meike Freud-Raber aus Königswinter bei Bonn auf die Suche nach den auch in ihrer eigenen Familie verdrängten und vergessenen Spuren ihres Urgroßvaters gemacht. In den Veröffentlichungen der Geschichtswerkstatt Freiberg und des Vereins "Freiberger Zeitzeugnis e.V." wurde sie fündig. Michael Düsing führt mit ihr am 24. Mai 2018 ab 19:00 in der Rösterei Momo ein Gespräch über Spurensuche, Familientradition und altem und neuem Antisemitismus.