Zukunft bedarf der Herkunft und der Erinnerung 

 Mit dem Verein „Freiberger Zeitzeugnis e.V.“ bieten wir allen jenen eine Plattform, die helfen wollen, die nach wie vor großen „weißen Flecke“
der Regionalgeschichtsschreibung besonders über die Zeit des Nationalsozialismus, aber auch zum Umgang damit in der Nachkriegsgeschichte der DDR abzutragen. Der Verein gibt denen eine Basis, die gegen Verklärung und Legendenbildung in der örtlichen Geschichtsaufarbeitung sind, weil sie für eine offene, demokratische Zivilgesellschaft eintreten, in der "völkische Überheblichkeit", Verleumdung von Minderheiten, Hass gegen Fremde und Geringschätzung der Würde jedes Menschen keinen Platz haben.

 

Es geht um unsere Gegenwart in Demokratie, Freiheit, Vielfalt und Menschlichkeit. Und es geht um unsere Zukunft, in der die Würde jedes Menschen auch weiterhin unantastbar bleibt, unabhängig von Nationalität, Herkunft, Geschlecht, Religion und Orientierung.

 

Verein


Bewahrung

Regionale Geschichte erforschen

Spuren suchen

Wissen weitergeben

Begegnung

Von Zeitzeugen lernen

Sichtweisen verändern

Haltungen fördern

Projektarbeit

Schüler- und Bürgerprojekte

Vorträge und Stadtrundgänge

Publikationen und Ausstellungen


Aktuelles


November 2020

In Gedenken an unseren Ehrenvorsitzenden

Wir trauern um Dr. Michael Düsing: Ein Nachruf

Unser Verein trauert um seinen Ehrenvorsitzenden Dr. Michael Düsing.

Am 21. November ist unser Ehrenvorsitzender, guter Freund, unerschöpflicher Wissensträger und treibende Kraft im Verein, Dr. Michael Düsing, im Alter von 73 Jahren verstorben. Er hinterlässt eine Lücke, die nicht zu schließen ist.

Viele Jahrzehnte forschte Michael an der Geschichte des jüdischen Lebens in Freiberg. Besonders die schrecklichen Ereignisse während der Zeit des Nationalsozialismus und das Leid der gefangenen jüdischen Frauen des KZ-Außenlagers Flossenbürg in Freiberg ließen ihn nicht los. In seinem umfangreichen Netzwerk hielt er Kontakt zu Überlebenden und deren Kindern weltweit. Besonders wichtig war ihm dabei, die Erinnerung an die Freiberger Juden und die Opfer des Holocaust wachzuhalten. Sein Credo war und ist auch das Leitbild unseres Vereins: "Zukunft bedarf der Herkunft und der Erinnerung".

Schon als Leiter des CJD Freiberg und später im Rahmen der „Geschichtswerkstatt Freiberg" vermittelte er in verschiedenen Trägerschaften unzähligen jungen  Menschen regionale Geschichte, oftmals auch durch gemeinsame aktive Aufarbeitung. Ob die Gedenktafeln am Gebäude des Landratsamtes, die Gedenkwand im Foyer des Berufsschulzentrums „Julius Weisbach“, die Gedenktafel im AWG (ehemals Schockenkaufhaus) oder die zahlreichen Freiberger Stolpersteine – Michael war der Initiator. 

Er verstand es, Menschen für Geschichte zu begeistern und zum Nachdenken anzuregen. Er erforschte die Namen und Gesichter der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und versuchte unermüdlich, Ihnen Ihre Würde wiederzugeben.

Für seine umfassenden Arbeiten wurde Michael mehrfach ausgezeichnet.

2003 erhielt er den Andreas-Möller-Geschichtspreis der Stiftung für Kunst und Kultur der Kreissparkasse Freiberg und des Freiberger Altertumsvereins. 

2010 wurde Michael mit einer Ehrenurkunde des Sächsischen Landespreises für Heimatforschung geehrt und 2014 mit dem 1. Preis. 

2014 ehrte die Stadt Freiberg Michael für seine Arbeit mit dem Bürgerpreis der Stadt. Die Laudatio hielt Oberbürgermeister Erwin Schramm. „Erinnern ist der Schlüssel zum Verständnis der Gegenwart“, sagte er am Ende seiner Rede. Michael kämpfte unermüdlich und oftmals auch gegen Widerstände für Aufrichtigkeit und eine würdevolle Erinnerungskultur der Stadt Freiberg.


Mit dem Kunstprojekt „We are still here“ 2015 wurde die Grundlage für den heutigen Freiberger Zeitzeugnis e.V. gelegt. Spätestens bei dieser internationalen Ausstellung, den dazugehörigen Konzerten und Veranstaltungen wurde klar, welchen großen Beitrag Michael für Freiberg geleistet hatte; für Völkerverständigung und tiefe Freundschaften zu  den Menschen, in deren Schuld die Bergstadt  stand. Michael wusste Menschen zusammenzubringen. Die Vereinsgründung 2017 sollte sein Lebenswerk in eine Form gießen, die es erhält und  auch fortführen kann. Folgerichtig wurde er 2018 Ehrenvorsitzender des Vereins. Michael war trotz gesundheitlicher Probleme bis zuletzt treibende Kraft und Inhaltgeber. Er verwendete seine Energie darauf, sein Wissen und seine Begeisterung für diese jüngste Geschichte weiterzugeben, besonders der jungen Generation. Es war ihm wichtig, zu zeigen, dass es nicht nur einzelne "Täter" gab, sondern dass ein Großteil der Bevölkerung beteiligt war, auch indem viele Bürger "nichts" taten. Er wollte die Verantwortung, die er selbst trug, auf breitere Schultern verteilen. „Mehr Verein und weniger Düsing“ war dann sein Anspruch. Und dennoch stehen wir im Hinblick auf seinen Wissensschatz fassungslos vor unserer künftigen Aufgabe.


Michael war insbesondere auch Freund. Mit ihm konnte man alle Facetten einer Freundschaft erleben. Er war Ratgeber, Vorbild und Kumpel. Wenn wir uns uneins waren, dann schlief er Nächte nicht, denn sein Wesen war voller Liebe für die Sache und die Menschen, die sie mit ihm verwirklichten. Er war herzlich, authentisch und uneingeschränkt aufrichtig in seiner Haltung.

Für das kommende Jahr, das unter der großen Überschrift „Schalom 2021“ steht, sammelte Michael noch einmal seine ganze Kraft. Er wollte ein letztes großes Projekt umsetzen, ein Jahresprojekt mit vielen Aktivitäten und Veranstaltungen im Rahmen des bundesweiten Festjahres "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Dafür knüpfte er neue Kontakte, organisierte, brachte Ideen ein, bereitete eine Ausstellung vor und war voller Begeisterung in seinem Element. Es war ihm das Wichtigste, dass alles organisiert ist und dass es  auch ohne ihn nach seinen Vorstellungen ablaufen kann, ohne anderen dafür die Verantwortung  aufzubürden.


Lieber Michael, 

wir versprechen Dir, wir nehmen die Herausforderung an. Dass nun alles so schnell ging, trifft uns sehr, auch dass wir uns nicht noch einmal sehen und persönlich voneinander verabschieden konnten. Wen können wir jetzt fragen? Wir vermissen Dich. Du bleibst bei uns, egal wo Du nun bist.



November 2020

Ideenwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums

Wir sind Preisträger beim Ideenwettbewerb "machen2020!"

Beim Ideenwettbewerb "machen2020!", einer Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums in den neuen Bundesländern, hat unser Verein den 4. Platz belegt und war einer der fünf Hauptpreisträger. Ausgezeichnet wurden wir für unser gesellschaftliches Engagement, Vielfalt und Miteinander durch Regionalgeschichte zu stärken. Ausschlaggebend für die Prämierung war unter anderem ein Projekt, das wir gemeinsam mit dem Mittelsächsischen Theater und dem Förderschulzentrum "Clemens Winkler" Brand-Erbisdorf umgesetzt haben. Hierbei haben Kinder und Jugendliche Teile der Kinderoper Brundibar selbst szenisch und musikalisch umgesetzt und viel über Theater und die historischen Hintergründe des Stücks, zu der auch der Holocaust gehört, erfahren. 

 

Wir gratulieren auch dem Bündnis "Freiberg für alle", die ebenfalls bei "machen2020!" ausgezeichnet worden sind.

 

Das Bundesministerium hat jedem Preisträger eine Fotopräsentation gewidmet.

 


Veranstaltungen

Ausstellung

"Wenn nicht ein Wunder geschieht, halten wir es nicht aus"

Wie jüdische Mädchen und Frauen des KZ-Außenlagers Freiberg Kriegsende und Befreiung erlebten. 

 

7. November 2020 bis 27. Januar 2021

Petrikirche Freiberg

Eintritt frei 

 

Im Frühjahr 1945 fand der Zweite Weltkrieg ein Ende und Deutschland wurde von der Herrschaft des Nationalsozialismus befreit. Im Freiberger Außenlager des KZ Flossenbürg am Schachtweg waren zu dieser Zeit rund 1000 jüdische Frauen und Mädchen gefangen, die als Zwangsarbeiterinnen im heutigen Landratsamtsgebäude Teile für ein Flugzeug fertigten, das in den letzten Kriegsmonaten noch den erhofften „Endsieg“ für Deutschland bringen sollte. Die Gefangenen lebten unter katastrophalen Bedingungen und sehnten Kriegsende und Befreiung herbei, stets hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Die Ausstellung des Freiberger Zeitzeugnis e.V. zeichnet in eindrucksvoller Weise und durch viele Zitate den Leidensweg der damals Gefangenen und die Befreiung nach, angefangen bei der Deportation im sogenannten „Rassenkrieg“ über die Ausbeutung als Zwangsarbeiterinnen, den Todeszug zur Evakuierung in das KZ Mauthausen bis hin zu den Ereignissen rund um das Kriegsende und den Neubeginn in Freiberg.

 

Ergänzt wird die Ausstellung durch Bilder und Collagen der US-Künstlerin Jana Zimmer, deren Mutter eine Überlebende des Holocaust und eine der jüdischen Zwangsarbeiterinnen in Freiberg war.